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Montag, 25. Mai 2009, 14:05

k.k. Grenadiersäbel M1765 mit"P"

Liebe Sammlerfreunde!
Indem ich euch meinen alten Grenadiersäbel zeige, ersuche ich gleichzeitig die Freunde des Forums und da wieder ausgewiesene Maria Theresia-Spezialisten wie Rothbarsch, bei der vielleicht sogar möglichen Auflösung von Fragen dazu.
Da es sich um ein hier beliebtes und bekanntes Modell handelt, will ich mich dazu im Allgemeinen über Verwendung und Geschichte etwas kürzer halten.

k.k. Grenadiersäbel M1765

Maße:
GL: 74,5 cm
GloS: 72, 7 cm
KL: 58,5 cm
KB: 3,7 cm
SL: 60,5 cm
Marken (siehe Bilder):
Klinge: "P" für Pottenstein-siehe Erklärung unten
A I L BOLA ? (schwer leserlich--Regiments-bzw.Rgt-Inhaberbezeichnung??
Griffrücken: 11 / 18 ? (schwer leserlich)

Beschreibung/Auffälligkeiten:
Der Säbel ist allgemein in gutem und originalem, kaum veränderten Zustand, lediglich die Klinge wurde irgendwann durch einen Barbaren mit einem Schleifstein oder ähnlichem drangsaliert.
Das Griffleder wie das Scheidenleder sind original und etwas geschrumpft. Die Scheide ist original und vorschriftsmässig eine Lederscheide mit Holzkern.
Um 1800/1820 dürfte eine alte und typische Reparatur des anfälligen Ortbleches stattgefunden haben (wobei man darunter noch Reste des alten unter das Scheidenleder geschobene Ortblech erkennen kann), dessen Fixierung über dem Scheidenleder einer neueren Vorgehensweise zu dieser Zeit (1800/20) entspräche.
Weiters sind am Mundstück Verlötungsreste einer ehemaligen Ringbandöse vmtl. nach 1798 erkennbar, die auf eine Folgeverwendung bei der kk.Landwehr oder kk. Artillerie/Mineure und Fuhrwerkswesen bis Mitte des 19.Jhd. hinweisen könnte. Auch eine Verwendung danach bis Anfang des 20. Jhd. im zivilen Bereich (zB Bürgergarde) wäre möglich.
Die Klinge ist noch immer scharf, im vorderen Drittel zweischneidig und lässt eine Art "Reisshaken" erkennen.
Die originale ursprüngliche Länge der Klinge von ca. 58 cm in Verbindung mit der "Pottensteinmarke" zeigt auf eine Erzeugung des Säbels zwischen 1765 und 1777.

Unklar und durch mich momentan nicht auflösbar sind mit Ausnahme der Pottenstein-Marke die sonstigen o.a. Marken----für Unterstützung und weitere Erkenntnisse, sowie für eure Einschätzung summa summarum über diesen Säbel wäre ich euch sehr dankbar!!!!

Da man aus NÖ stammend, stolz auf die hiesige Blankwaffenproduktion sein darf, nochmals ein wenig Information zu den Pottensteiner Klingen:

"P" bedeutet:

Pottenstein im Triestingtal in Niederösterreich

also eine Pottensteiner Klinge, entstanden etwa um/bzw. vor 1780

Speziell Kaiserin MT wollte den engeren Standort Österreich durch entsprechende eigene Produktionsstätten für Waffen (Blank-und Schusswaffen) fördern und unterstützte entsprechende Initiativen. So entstanden mehrere Betriebe, wovon Pottenstein einer davon war.

Die Säbelklingenfabrik in Pottenstein an der Triesting bot bei ihrer Verlegung 1764/65 von Sollenau weg (daselbst 1754 von Adam von Metzberg gegründet)
unter seinem neuen Besitzer Melchior Steiner vom neuen Standort her ideale Bedingungen:
relativ verkehrsgünstige Nähe zu Wien, das fliessende Wasser der Triesting, welche im Winter nicht zufror und viel vorhandenes Holz für die Produktion.
1766 waren in der Pottensteiner Säbelklingenfabrik bereits 28 Arbeiter beschäftigt, die Jahresproduktion belief sich auf 12.000 Klingen (auch für Pallasche und Husarensäbel), die unter dem Begriff " Pottensteiner" weit über die österreichischen Erblande hinaus bekannt wurden ---und wohl auch noch sind.
1769 expandierte der Betrieb und erhielt unweit vom alten Werk einen weiteren von der Herrschaft Merkenstein zugewiesenen Grund, wo eine noch neuere Klingenfabrik entstand. 1786 übenahm der Neffe von Steiner, Melchior Ritter von Steiner den Betrieb. 1800 gab es etwa 50 Arbeiter, erst dann kam der langsame Niedergang:
1811 (grosse Inflationszeit in Österreich, Napoleon) nur mehr 7 Arbeiter, 1814 (Napoleonzeit) fast die Stilllegung.
Nach Melchior von Steiners Tod 1837 wurde das Werk 1841 endgültig liquidiert und in eine Baumwollspinnerei umgewandelt.
Ich ersuche euch bei der Auflösung meiner Fragen zum Säbel um Unterstützung-danke!!

mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

2

Montag, 25. Mai 2009, 14:07

---weitere Bilder des GrenS M1765......
A.E.I.O.U.

3

Montag, 25. Mai 2009, 14:09

und abschließend letzte Bilder.....
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

4

Montag, 25. Mai 2009, 14:39

Lieber Gerhard!!!

Gratuliere zu diesem wirklich wunderschönen Stück. Ich bin auch von dem Zustand beeindruckt. Diese Alte sieht wirklich gut aus.
Und noch eine Frage: Welches Idiot kann dieser Klinge schleifen?
Entschuldigen Sie bitte für schlechtes Deutsch.


Grüße aus Kroatien

Chombe

5

Mittwoch, 27. Mai 2009, 20:16

hallo Doppeladlerkorb,

muss Dich leider enttäuschen, habe nichts zu "A I L BOLA ? " gefunden. ;(
Habe dazu alle mir bekannten Namen von Regimentsinhabern verglichen.

Dass diese Säbel oft verschliffen sind liegt daran, dass diese nach der Ausmusterung als Werkzeug gedient haben. So mancher schöne Säbel hat seine letzten Jahre als " Rübenmesser " in der Landwirtschaft verbracht. X(
Ein bekannter hat noch in den 60er Jahren erlebt, dass 2 Hirschfänger zum Dorfschmied gebracht wurden, damit dieser die Spitzen umschmiedet. Man wollte damit Disteln stechen.
Gruß
Rothbarsch

6

Freitag, 29. Mai 2009, 15:36

Hallo Rothbarsch und Zlatko!
Danke euch für eure freundliche Kenntnisnahme und dir, Rothbarsch für deine Mühe---wirklich grausliche Dinge geboren aus Unkenntnis, die du uns da vom "Rübenacker"beschreibst!!! Gottseidank sind diese alten Säbel recht zähe....
Bin immer über neue Informationen zum Thema erfreut!!!
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.