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Mittwoch, 4. Dezember 2019, 20:50

Säbel kantonale Ord. 1760 Bern

Mit
Ratsbeschluss vom 13.und 20.Dezember wurden 1759 für Berner Miliz ein
Infanteriesäbel mit geschwärztem Eisengefäss und einer Klinge von 2 Fuss 1 Zoll
10 Linien (63,1 cm) Länge und 1 Zoll 4 Linien (3,3 cm) Breite als Modell
angenommen. Das Modell eines Säbels für Wachtmeister, Feldschärer und
Musterschreiber mit einem Messinggefäss, dessen Form dem Infanteriesäbel
entspricht, genehmigte der bernische Rat am 16.Januar 1760. Diese neue
Waffe wird in der ebenfalls am 16.Januar 1760 in Kraft gesetzten «Ordonanz über
das Uniforme der Infanterie teutschen Lands...», als « Degen mit einem
messingenen Gefäss nach dem Modell» bezeichnet. In jener Zeit unterschied man
noch nicht wie in der Waffenkunde üblich konsequent zwischen Degen (Waffe mit
gerader Klinge) und Säbel (Waffe mit gekrümmter Klinge). Auf den Säbelklingen
bei Waffen nach der Ordonnanz 1760 erscheint als Klingendekor häufig der
beidseitig eingeätzte, schreitende Bär.

Weil der bernische Milizsoldat seine Uniformierung, Bewaffnung und Ausrüstung
auf eigene Kosten beschaffen musste, wurden ältere, zumeist längere Griffwaffen
weiterhin geführt und nicht konsequent gekürzt und der neuesten Ordonnanz
angepasst. Das ursprünglich mit einem Daumenring ausgestattete Modell 1760 mit
Messinggefäss wurde in späteren Jahren auch von Grenadieren (1784) und nach
1794 vermehrt von Füsilieren getragen.























Bei diesem Exemplar ist der Daumenring vorhanden, es stammt also
wahrscheinlich aus den 1760er, -70er Jahren. Die Klinge ist sehr schön erhalten
mit beidseitig eingeätztem Bär. Der Griff ist komplett, das Messing hat eine
schöne Patina. Das Griffholz ist geschrumpft, daher ist die Griffwicklung
locker. Die Klinge sitzt ebenfalls etwas locker. Alles in allem ein schöner
Säbel, an dem die Spuren der Zeit


etwas genagt
haben.
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Donnerstag, 5. Dezember 2019, 19:50

Hier ein Exemplar mit eisernem Griff für Mannschaften.
Er ist in komplett originalem Zustand. Das geschmiedete Gefäss ist noch
original vernietet und weisst Reste des ursprünglichen Daumenrings auf.
Daher ist er der frühen Fertigung zuzuordnen. Der Griff und die Wicklung sind
etwas locker, da das Griffholz geschrumpft ist.


Die Klinge
ist etwas fleckig und weisst einige Scharten auf.



Die
Form ist beinahe identisch mit dem Modell, welches bei den Berner- Regimentern
in holländischen Diensten getragen wurde, damit diese ihren Säbel zuhause
weitertragen konnten. Im Unterschied zu diesen wurde der Parierbügel an der
Griffkappe eingehakt, bei den holländischen ist er aufgeschraubt. Die
ursprünglichen Daumenringe wurden bald wieder entfernt, da sich die Wehrmänner
immer wieder an Ihnen verletzten. Ab 1780 wurden die Säbel bei den Mannschaften
abgeschafft, und nicht mehr weiter produziert, im Gegensatz zu den Säbeln mit
Messing-Gefäss. Die noch vorhandenen Stücke wurden natürlich weiterverwendet
und teilweise noch bei der Wiederbewaffnung 1804 und 1817 ausgegeben. Trotzdem
sind eiserne Säbel heute vergleichsweise selten.
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Donnerstag, 5. Dezember 2019, 19:51

Noch zwei Bilder
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Freitag, 6. Dezember 2019, 14:24

Nur zur Info:. Im Volume I, Part 4 des Katalogs Firearms, Swords and related Objects der Vissers Collection - Arms of the Netherlands in the Collection of H.L.Visser findet sich auf den Seiten 137 bis 155 eine mehr als ausführlicher Artikel: [b]Von Bern nach Holland oder von Holland nach Bern? Zur Entstehung des Berner Infanteriesäbels Ordonnanz 1760[/b]. Angehängt habe ich Fotos eines bei mir vorhandenen Stückes.
corrado26
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  • Kanton Bern, Infanterie- oder Gendarmeriesäbel um 1800 (6).JPG
  • Kanton Bern, Infanterie- oder Gendarmeriesäbel um 1800 (5).JPG
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5

Samstag, 7. Dezember 2019, 20:25

Merci, dieses Buch war mir noch nicht bekannt. Vielleicht läuft es mir ja mal über den Weg.

Hier noch ein weiteres Stück.

Dieses
Exemplar ist komplett mit Scheide. Der Zustand ist sehr gut, die Scheide ist
minimal geschrumpft. Sie ist mehrmals geknickt, das Leder weist aber keine
Risse auf. Da bei diesem Stück kein Daumenring montiert wurde, ist es
vermutlich in die Zeit von 1770 bis 1790 einzuordnen. Solche Säbel wurden später
zur Infanteriebewaffnung, daher hat man viele mit neuen Scheiden versehen.
Zuletzt wurden sie noch zur Wiederbewaffnung 1805 und 1813 eingesetzt. Die
1813er wurden mit Zeughausstempel und Waffennummer versehen.


Meiner
Meinung nach wurde dieses Stück zwischen 1795 und 1810 mit einer neuen Scheide
aufgefrischt.
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Sonntag, 8. Dezember 2019, 15:39

Hallo Microraptor92, der zitierte Artikel "von Bern nach Holland oder von Holland nach Bern" stammt von Jürg A. Meier. Du findest den Abschnitt im Buch "Vivat Hollandia", einem sehr systematischen und wissenschaftlichen Buch über die Uniformierung und die Blankwaffen der Schweizer Regimenter in Holländischen Diensten.

7

Sonntag, 8. Dezember 2019, 16:05

Ah, der ist damit gemeint. Ja den kenne ich schon. :thumbup:

8

Montag, 16. Dezember 2019, 15:12

Hier noch die letzte Variante, welche ab 1794 eingeführt wurde. Der Griffbügel war anders gestaltet, es gab Exemplare mit Daumenring, wie dieses hier und solche ohne.



Zwischen 1791 und 1797 lieferte die Firma des Solinger Schmieds Rudolf
Daniel Kirschbaum (1737-1807) insgesamt 2997 Säbel und 100 Klingen an das
Zeughaus in Bern. Ab der neuen Ordonnanz 1794 wurde den Musketieren, die bisher
ausschliesslich die Bajonettflinte führten, gestattet einen Säbel zu tragen.
Darauf stieg der Bedarf an Säbeln drastisch an, nicht zuletzt Frankreichs
agressiver Politik wegen. Ab dieser Ordonnanz wurde auch den gemeinen Soldaten
gestattet, Säbel mit Messinggefässen zu tragen, vorher waren diese
ausschliesslich Unteroffizieren und Grenadieren vorbehalten. Nach dem Einmarsch
wurden die Zeughäuser von den Franzosen geplündert und alles Taugliche
mitgenommen. Mit der Wiederbewaffnung von 1804 wurden deshalb alle verfügbaren
Waffen weiterverwendet.

Dieses
Exemplar ist in Top-Zustand. Der Griff hat weder Beulen noch Kratzer, die
Griffwicklung ist straff und intakt. Die Klinge ist ebenfalls in
hervorragendem, fast neuwertigem Zustand. Keine Flecken und Scharten. Die
Scheide passt haargenau.
Die Scheide
selbst ist aus braunem Leder, entspricht also noch der Ordonnanz 1760,
vermutlich wurden erst ab 1794 die Scheiden wieder geschwärzt.

Der Stiefel
ist bei diesem Stück aus Leder. Dieser ist nicht original, sondern wurde
zeitgenössisch mit grossem Aufwand repariert. Man sieht häufig Scheiden mit
fehlenden Stiefeln, da sich die Klammern gern lösten. Auch reparierte Scheiden
sind keine Seltenheit. Da zu dieser Zeit das Material wertvoll war, wurden
viele Stücke repariert.
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Freitag, 20. Dezember 2019, 19:57

Säbel Kantonale Ordonnanz Bern 1760 für Infanteristen mit Originalscheide

Viele Jahre habe ich nach einem Exemplar mit Originalscheide des Säbel 1760 Kanton Bern für Infanteristen gesucht. Diese Säbel mit geschmiedetem Eisengefäss hatten Scheiden mit Garnituren aus Eisen und einen eisernen Tragehaken. Kürzlich konnte ich aus dem Nachlass einer Sammlung drei Säbel mit Scheiden erwerben. Zwei davon haben eingenähte Ortbänder.
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joehau

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10

Samstag, 21. Dezember 2019, 00:47

Die Säbel mit eisernen Gefäßen sind wirklich selten anzutreffen.
Da hast Du Glück gehabt, dass Du gleich 3 Stück mit Scheide gefunden hast.

Sehr schön anzuschauen !
Danke für's zeigen.

Gruß Jörg

11

Donnerstag, 26. Dezember 2019, 10:10

Dem kann ich mich nur anschliessen. Sehr schöne Stücke, die man nicht so häufig sieht. Sehr interessant auch die eingenähten Garnituren. Glückwunsch zu diesem seltenen Konvolut.

12

Sonntag, 3. Mai 2020, 14:09

Ich konnte endlich ein 1760er Säbel mit originaler, brauner Scheide erwerben. Das Stück hat ebenfalls einen Daumenring ist also vermutlich zwischen 1760 und 1780 einzuordnen. Der Säbel ist sehr gut erhalten, das Messing hat eine schöne Patina. Die Klinge ist etwas fleckig, aber ansonsten tadellos. Die Scheide ist aus braunem Leder, wie im Ratsbeschluss von 1760 beschrieben. Da ein 1760er Säbel in seiner Laufbahn im Schnitt 3 bis 4 Scheiden verbraucht haben dürfte, bin ich nicht sicher, ob es die Originalscheide ist. Sie wurde aber fast sicher vor 1794 hergstellt, ab da wurden die Scheiden wieder geschwärzt. Die Garnitur ist interessanterweise weder genietet noch gedrahtet. Das Mundstück wurde mit biegbaren "Zwicken" innen an der Scheide befestigt. Das ist auch beim Exemplar mit schwarzer Scheide so. Man sieht solche Säbel mit verschiedensten Scheiden, meist mit aber mit sehr ähnlichen Mundblechen und Stiefeln. Ich vermute, dass diese jeweils nach Möglichkeit weiterverwendet wurden. Leider ist die Quellenlage zu dünn um eine sichere Datierung zu ermöglichen. Weiss jemand im Forum mehr darüber? Der oben genannte Artikel von Jürg Meier beschreibt die Säbel mit Messinggefäss leider nicht.
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13

Mittwoch, 21. Oktober 2020, 15:23

Hier habe ich einen sehr interessanten Säbel. Zumindest aus meiner Sicht. Er entspricht eigentlich der Ordonnanz 1804, wie sie z.B. joheau schon vorgestellt hat. Das Besondere an diesem Säbel ist, dass das Gefäss von einem Modell 1760 stammt, sogar einem frühen Modell mit Daumenring. Alle Bügel und der Daumenring sind mit grossem Aufwand abgeschliffen und die Klinge ersetzt worden. Sie wurde terzseitig mit einem Messingplättchen, quartseitig mit einem Stahlstift fixiert. Die Klinge weist Schleifspuren, Scharten und Rostnarben auf. Keine Markierungen erkennbar. Die Scheide ist ebenfalls ein "verbasteltes" Teil. Die Garnitur stammt aus dem 18. Jahrhundert erkennbar an den Zierrillen und den geschwungenen Abschlüssen. Beim Mundblech wurde ein neuer Tragehaken angelötet, der Stiefel wurde eingebogen. Beides hoffe ich auf den Fotos sichtbar getroffen zu haben. Die Lederscheide wurde schon nach neuer Art ohne Zierrillen hergestellt.

Zur Geschichte: Nach dem Abzug der Franzosen stand die Berner Regierung vor der schwierigen Aufgabe, die Miliz wieder aufzubauen und zu bewaffnen. Bei leerer Staatskasse und geplündertem Zeughaus eine grosse Herausforderung. Es musste daher viel improvisiert werden und alles Brauchbare wiederverwertet werden. Dieser Säbel gibt uns ein gutes Zeugniss dieser Zeit. Man muss dazu sagen, dass noch lange Säbel nach Modell 1760 und 1804 nebeneinander getragen wurden. Erst in der Miliz, nach 1817 dann vor allem in der Landwehr.
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Mittwoch, 21. Oktober 2020, 15:25

Hier noch ein Vergleich mit dem ursprünglichen Gefäss. Dazu noch Fotos vom Stiefel und der Fixierung der Klinge.
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joehau

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15

Mittwoch, 21. Oktober 2020, 16:26

Interessante Variante, schönes Teil !

Gruss Jörg

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