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Samstag, 14. November 2009, 16:47

österreichischer Stahlhelm M17 der Heimwehr

Liebe Sammlerfreunde!
Um auch das Thema "alte interessante österreichische Schutzwaffen bzw Helme mit Geschichte"weiterzuführen, heute einen österreichischen Heimwehrhelm aus der Zeit um 1929/30, der zuvor schon seine erste Verwendung in der k.u.k. Armee hatte.

österreichischer Stahlhelm M17 der Heimwehr

Feldbraune Farbe der k.u.k. Armee aus dem 1. Weltkrieg, allgemeine Heimwehrkennzeichnung mittels grünem Längsstrich, grün-weißes Heimwehrwappen mit der Kompanienummer. Die in den 20igern erneuerte Innenausstattung stammt von einem deutschen M18, im Helmpolster das Etikett „Paul Römer“ (Helmnieten jedoch unverändert österreichisch); in der Helmglocke ist ein „S“ eingestanzt. In Blickrichtung rechts befindet sich ein Einschussloch mit Austritt links. Unbekannt bleibt dabei leider der Grund der Beschädigungen bzw. Kampfspuren, diese könnten eventuell während des Bürgerkrieges oder Juliputsches vom Jahre 1934 entstanden sein.
Der Helm wurde so in dieser Ausführung von einer Heimwehrkompanie des Heimatschutzes (wahrscheinlich Oberösterreich, Steiermark oder auch Salzburg) zwischen 1928-1936 getragen. Der Heimatschutz wurde insbesondere ab 1933 zum Schutz des Staates und der Exekutive als Assistenzkraft, vor allem Februar/ Juli 1934, herangezogen.

Dieser österreichische Stahlhelm M17 der Heimwehr wurde
als ehemaliger k.u.k. österreichisch-ungarischer Stahlhelm M17 nach deutschem Muster und inländischer Erzeugung so für die österreichische Heimwehr adaptiert und zwischen 1927 (nach den Juliereignissen) und 10/1936 verwendet. Die österreichischen Heimwehren entstanden Ende 1918 als regionale Selbstschutzverbände und Grenzkämpfer der Bundesländer gegen Gebietsansprüche südslawischer und ungarischer Truppen/Freischärler, sowie Ausschreitungen und Plünderungen. 1927 erfolgt die Wiedererstarkung der umstrittenen Heimwehren-ca. 60.000 bewaffnete Mitglieder- und die Etablierung einer Bundesführung des Heimatschutzes. Nach der Abkehr vom Parlamentarismus in Form des „Korneuburger Eides“ am 18 05 1930 kandidierte die Heimwehr bei den Herbstwahlen als „Heimatblock“ und erhielt 8 Mandate. Unter Bundeskanzler Dollfuss erhielten Heimwehrführer Regierungsämter. 05/1931 „Heimatschutz Österreich“; 1932 „Österreichischer Heimatschutz“; 10 04 1933 Freiwilliges Assistenzkorps“; 07 07 1933 „Freiwilliges Schutzkorps“ und Unterstellung unter Sicherheitsminister Fey; 27 09 1933 unter Bundesführer Starhemberg geschlossener Beitritt in die „Vaterländische Front“; 02 12 1935 Zusammenfassung aller „vaterländischen freiwilligen Verbände“ bzw. der Heimwehren in der „Freiwilligen Miliz/Österreichischer Heimatschutz“ und starke Anbindung an die bewaffnete Macht; 05/1936 Gründung der „Frontmiliz“ als Milizergänzung des ÖBH; 10 10 1936 Auflösung der Heimwehren bzw. „vaterländischen freiwilligen Wehrverbände“ und deren Überführung in die „Frontmiliz“-diese war gleich wie das ÖBH adjustiert; 14 07 1937 endgültige Eingliederung der „Frontmiliz“ als Bestandteil in das ÖBH.). Der Helm fand seinen langjährigen Weg über Salzburg, Brixen in Südtirol und zuletzt Avigliana/Turin zurück nach Österreich. Seltenes erhaltenes Exemplar, da Helme der Heimwehren bis 1936 fallweise und dann bis 1938 verstärkt durch ÖBH und Exekutive konfisziert und für eigene Zwecke verändert und umgearbeitet wurden. Nach 03/1938 wurden dann verbliebene und aufgefundene HW-Helme nahezu vollständig durch die deutsche Wehrmacht und Parteiorganisationen des Dritten Reiches beschlagnahmt und aufgearbeitet.
Hoffe, dieser Helm konnte euch interessieren......
mlG Gerhard
P.S.:
weitere österreichische bzw kuk stahlhelm M17-Beiträge im Forum:
http://www.blankwaffenforum.de/thread.php?threadid=4272
http://www.blankwaffenforum.de/thread.php?threadid=4023
http://www.blankwaffenforum.de/thread.php?threadid=3854
A.E.I.O.U.

2

Samstag, 14. November 2009, 16:48

weitere Bilder.....
A.E.I.O.U.

3

Samstag, 14. November 2009, 16:50

und letzte Bilder des Helmes....
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

Dragoner

Experte für Schweiz

Beiträge: 383

Wohnort: Confoederatio Helvetica

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4

Samstag, 14. November 2009, 19:32

Ein tolles Stück Geschichte. Und wie immer, eine super Erklärung dazu! Ich lese immer gerne Deine Ausführungen. Besten Dank fürs Zeigen.

PS: Sind diese Heimwehren mit den Freikorps in Deutschland zu vergleichen?

Gruss: Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.

5

Sonntag, 15. November 2009, 10:15

Was soll Mann schreiben Gehard? einfach wie immer gute Präsentation und die besten Erklärungen!!
DANKE !!!!!
SUUM CUIQUE das Motto der Leib Garde Husaren (jedem das Seine)

Rasch mit dem Pferde, hart mit dem Schwerte,
im Sattel feste, beim Becher der Beste, den Frauen hold, treu wie Gold, Mut in Gefahr, das ist ein Husar

Für Fragen über mein Spezialgebiet stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung!

6

Sonntag, 15. November 2009, 14:17

Danke, liebe Freunde, für euer Interesse!
Wirklich interessant wird`s durch die Geschichte dahinter und manchmal gelingt es sogar, diese wieder ans Licht zu bringen.
Hervorragend ist es aber, wenn historisch Interessierte ebenfalls etwas damit anfangen können....
Hallo Peter!
Du triffst mit deiner (nicht ganz einfachen) Frage wieder einmal den Kern der Sache, die Antwort ist hier ein österreichisches und festes "Jein"!
Scherz beiseite: In der Anfangszeit 1919-ca 25 gab es mit dem alten Bündnispartner des WK1 viele Gemeinsamkeiten und auch Verbindungen, wenn auch eher österr-süddeutsche;Ausnahme ist hier --zB Fürst Starhemberg als späterer österr. HW-Chef und Sicherheitsminister und als ehemaliges Mitglied eines deutschen Freikorps im Baltikum/Ostpreussen.
Gemeinsame Ausrichtungstendenzen waren sicher antilinksrevolutionäre, oder aber auch aus Sorge gegen Unruhestiftung und Plünderung rückflutender entlassener Soldaten nach Ende des WK1 oder aus beidem entstandene. Nach `25 beruhigte sich die revolutionäre "PostWK1-Kriegsstimmung" zunehmend und auch um die diversen HW-Gruppierungen wurde es ruhiger. Ab diesem Zeitpunkt fand meines Erachtens eine recht unterschiedliche Entwicklung in den beiden Ländern statt.
Ab 1927 kam es nach dem Justizpalastbrand in Wien zu einem Wiederaufleben österr. HW-Verbände und einer Aufrüstung gegen den sozialistischen Schutzbund. Nach 1933 und der für Österreich bedrohlichen Entwicklung beim deutschen Nachbarn wurde zunehmend durch die HW nicht nur gegen links, sondern va auch gegen den aufkommenden Nazismus gekämpft (allerdings nicht ungeteilt, da 1934 Teile der HW ins Lager des rechten braunen Feindes abrückten, weswegen 1935/36 nur verlässliche Teile in die Frontmiliz übernommen werden sollten), deren stärkster Widersacher nach Ausschaltung des Schutzbundes nur mehr die HW sein konnte.
Vor allem aber waren die österreichischen HW-Vebände in jeweils unterschiedlicher Namensgebung spätestens ab `33 offizieller Teil der staatlichen Exekutivkräfte, deren Entwicklung durch
endgültige Aufnahme als Teil des Bundesheeres ihr Ende fand. Eine Entwicklung also, die sich doch von der deutschen in dieser Zeitperiode wesentlich unterschied, da man sich nicht zuletzt im jeweils gegnerischen Lager befand.
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

7

Montag, 22. Februar 2010, 14:04

Liebe Forumsfreunde!
Anbei zur Dokumentation des besprochenen Helmes noch ein seltenes zeitgenössisches und originales Plakat des Österreichischen Heimatschutzes. Es ist als Zeitdokument aus einer Zeit heillos verfeindeter politischer Lager und politischer Irrtümer in Österreich erhalten, die gemeinsam zu Bürgerkrieg und Niedergang der parlamentarischen Demokratie führten. Das gegenseitige Nichtverstehenwollen um jeden Preis wurde letztendlich mit dem Ende der Freiheit, der Existenz Österreichs und Krieg (zu) teuer bezahlt.

Dieses Plakat "Heimatschutz Österreich" dürfte um 1934/35 entstanden sein, auf alle Fälle aber vor 1936, als die Verbände der Heimwehr aufgelöst, in die Frontmiliz überstellt und dem österreichischen Bundesheer endgültig als Milizkomponente unterstellt wurden.

Das Plakat zeigt insbesondere den o.a. besprochenen Helmtypus in Verwendung bei der österreichischen Heimwehr, allerdings nur mit dem allgemeinen Zeichen der HW ohne nähere weitere Verbandszuordnung, wie hingegen beim präsentierten Stahlhelm M17 vorhanden.
Zu weiteren Helmmustern in Verwendung bei der HW--siehe auch:
http://www.blankwaffenforum.de/thread.php?threadid=3611

mlG Gerhard
A.E.I.O.U.