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Montag, 6. April 2020, 20:02

Hessische Offiziers-Steinschlosspistole

Hallo zusammen

Zum Thema Feuerwaffen kann ich auch etwas interessantes beitragen.

Und zwar eine kurhessische Steinschlosspistole, vermutlich ein Eigentumsstück eines Offiziers. Die Pistole stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde bei Matthias Conrad Pistor aus Kassel gefertigt. Interessant daran ist der Lauf der mit dem Namen Cominazzo gestempelt ist. Vermutlich ist er älter als die Pistole und war dem Büchsenmacher zum Einbau übergeben worden.



Die
Familie Cominazzo war eine berühmte italienische Büchsenmacherfamilie. Ihre
Waffen waren in ganz Europa ihrer Qualität wegen bekannt. Charakteristisch war
das für diese Zeit kleine Kaliber.
Die Pistole selbst ist in schönem Zustand, Schloss und Lauf mit starker Patina, mit originalem Flintstein. Der Lauf wurde mal gekürzt.
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Montag, 6. April 2020, 20:03

Die Schloss Innenseite
»Microraptor92« hat folgende Datei angehängt:
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Dienstag, 7. April 2020, 07:47

Erwähnenswert ist, dass Matthias Conrad Pistor bis 1744 in Bettenhausen bei Kassel arbeitete und seit 1722 "fürstlicher Hofbüchsenmacher" war. 1745 begründete er dann die Gewehrfabrik Pistor in Schmalkalden, von wo er während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehr viele seiner Erzeugnisse auch in die Schweiz geliefert hat.

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Donnerstag, 9. April 2020, 16:25

Ja, der Name Pistor taucht in den Zeughausrechnungen von Bern immer wieder auf. Das waren allerdings verschiedene Lieferanten z.B. eine Lieferung Pistolen und Degen für Dragoner um 1740 von einem Pstor aus Sachsen. Scheint, die Pistors waren eine grosse Büchsenmacherdynastie. Das Zeughaus bestellte vor allem Läufe und Schlösser, das Schäften und Montieren wurde in einheimischen Betrieben gemacht.

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Donnerstag, 9. April 2020, 16:59

Nein, das waren keinesfalls verschiedene Lieferanten, es gab nur einen Waffenlieferanten und das war die Firma Pistor in Schmalkalden!. Da aber das seit 1358 hessische Schmalkalden entfernungsmäßig nicht allzu weit weg lag vom sächsischen Suhl, wurde die Firma Pistor oft als sächsisch bezeichnet. Heute gehören im Übrigen beide Orte zum Bundesland Thüringen.

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Donnerstag, 9. April 2020, 18:18

Ich habe nochmal nachgeschaut, wo ich das gelesen habe. In der Sammlung Beck aus Sursee ist ein Dragonerdegen Ord. 1769 in deren Zusammenhang Pistor erwähnt wurde. Hier der Auszug:
"Mit der Lieferung von Musterexemplaren tritt Matthias Wilhelm Pistor ,
«Entrepreneur einer Gewehr Fabrique», Schmalkalden (Sachsen) in
Erscheinung, der am 16.März 1769 mit Bern einen Vertrag über die
Lieferung von 1000 Karabinern und Pallaschen sowie 2000 Pistolen
eingeht, die bis 1777 vereinbarungsgemäss im Berner Zeughaus eintreffen."

Das wäre dann doch diese Fabrik. Nur der Name stimmt nicht. War das evntl. ein Sohn?

7

Freitag, 10. April 2020, 09:11

Matthias Conrad Pistor war Hofbüchsenmacher in Kassel und arbeitete seit 1722 in Bettenhausen nahe Kassel. Er war der Begründer erstens der Gewehrfabrik in Schmalkalden im Jahr 1745 und zweitens der Begründer der Büchsenmacherdynastie. Sein Sohn Thomas Wilhelm Pistor führte die Fabrik weiter ebenso wie dessen Söhne Engelbrecht und Wilhelm Pistor.
Wie ich bereits angedeutet habe, gehörte Schmalkalden nicht zu Sachsen, sondern zu Hessen-Kassel - von dort kam auch das fürstliche Privileg und Monopol an den Waffenfabrikanten Matthias Conrad Pistor zur alleinigen Belieferung der hessen-kasselschen Armee.
Dass in einem Katalog nicht immer das Richtige steht, ist durchaus bekannt und nichts Neues, man sollte sich deshalb nicht darauf verlassen, zumal sich der Katalogschreiber offensichtlich mit den geografisch/territorialen Gegebenheiten im Deutschen Reich nicht besonders ausgekannt haben dürfte. Selbst deutsche Zeitgenossen haben damit ihre Schwierigkeiten!
Diese Schmalkalder Verhältnisse dürften im Übrigen mit der Grund dafür gewesen sein, dass Eugen Heer bei der Erstellung seines "Neuen Stöckel" im dritten Band bei den Zentren den Ort Schmalkalden und seine Gewehrfabrik völlig ausgelassen hat.

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Sonntag, 19. April 2020, 16:37

Ich vermute dass mit Matthias Wilhelm eigentlich Thomas Wilhelm gemeint ist, da sein Vater 1761 (soweit ich weiss) gestorben ist. Dieses Missverständnis kann durchaus an einem Fehler in den Unterlagen des Zeughauses liegen. Ich habe noch in einer anderen Quelle den gleichen Namen gefunden, deshalb ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Fehler schon im 18. Jahrhundert passiert.

Hut ab vor deinem Fachwissen, corrado26.