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Dienstag, 10. Januar 2017, 19:09

Ordonnanz über die Säbel der berittenen Mannschaft und der Offiziere vom 5. Dezember 1867

Mit der Säbelordonnanz 1867 verabschiedet sich die Eidgenössische Armee von den französischen Säbelmodellen 1822 und beschafft Säbel nach österreichischer Art.

Die Schweiz als Bundesstaat ist erst 1848 gegründet worden. Vorher waren die Kantone in Militärfragen weitgehend selbständig. Obschon 1817 ein erster Versuch für eine Reglementierung von Uniformen und Bewaffnung vorgenommen wurde, herrschte wegen der kantonalen Militärhoheit eine oft verwirrende Vielfalt, ein Horror für Forscher, aber eine Fundgrube für Sammler. Eine weitere Anstrengung zur Reglementierung wurde 1842 unternommen, die aber wegen des Sonderbundkrieges unterbrochen wurde. Anlass für den Bürgerkrieg war die Gründung des Sonderbundes durch die konservativ regierten katholischen Kantone Luzern, Schwyz, Uri, Zug, Ob- und Nidwalden, Freiburg und Wallis. Es ging um gegensätzliche Vorstellungen über die politische und gesellschaftliche Ordnung: Zentraler Bundesstaats versus Erhaltung der traditionellen Souveränität der Kantone. Den Sonderbundskantonen ging es auch um die Verteidigung des katholischen Glaubens gegen die liberalen, mehrheitlich reformierten Kantone. Der Konflikt wurde 1847 durch General Dufour diplomatisch äusserst geschickt beendet.

Gestützt auf die neue Bundesverfassung von 1848 wurde das Militär Bundessache. 1852 folgte das Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung der eidgenössischen Armee, unter Sammlern bekannt als Ordonnanz 1842/52. Federführend für eine einheitliche Entwicklung der Eidgenössischen Armee waren die Kantone Zürich, Bern und Aargau. Diese hatten die in der Ordonnanz 1842/52 vorgeschriebenen neuen Blankwaffenmodelle teilweise bereits seit den 1830er Jahren vorweggenommen, ebenso die jungen Kantone Genf,Waadt, St. Gallen und Thurgau.

Das erste gesamteidgenössischen Reglemente 1842/52 über Bekleidung und Bewaffnung wurde 1860, 1861 und 1862 geändert und ergänzt oder besser gesagt, auf den Stand der aktuellen Mode gebracht. Die Schweiz orientierte sich in der Uniformierung weiterhin an Frankreich. Aber auch Modeeinflüsse anderer Länder kamen zum Zug, so die Hahnenfedern auf den Melonen der Scharfschützen und Geniesoldaten, die grosse Ähnlichkeiten mit den italienischen Bersaglieri-Hüten aufweisen. Zudem hat die Schweiz als einzige europäische Armee 1868 die amerikanische Achselbride übernommen. Diese wird quer zur Schulter getragen und folgt der Achselwölbung.

Die neuen Säbelmodelle der Ordonnanz 1867 brachen mit einer Tradition. Seit 1817 hatte die Eidgenössische Armee Blankwaffen nach französischen Modellen angeschafft. Die Säbelordonnanz von 1867 führte drei neue lange Säbelmodelle nach österreichischer Art ein: Säbel für berittene Mannschaften, Säbel für berittene Offiziere und Säbel für unberittene Offiziere. Die neuen Modelle wurden nur an Rekruten und neu ernannte Offiziere abgegeben, soweit sie überhaupt schon verfügbar waren. Schon im Geschäftsbericht 1868 bemängelte der Bundesrat in seinem Geschäftsbericht, die Kavallerie-Rekruten seien reglementarisch bewaffnet, die Säbel jedoch zum Teil noch nach älterer Ordonnanz. Die berittene Mannschaft, die noch mit Säbeln alter Ordonnanz ausgerüstet war, behielt ihre Säbel. Wahrscheinlich waren noch während vieler Jahre Säbel älterer Ordonanz neben Säbeln der neuen Ordonnanz im Gebrauch. Die Offiziere mussten ihre Säbel selber kaufen. Es ist anzunehmen, dass viele ältere Offiziere für sich aus eigenen Mitteln den neuen Säbel beschafft haben. Neu war auch die Durchsetzung vorschriftsgemässer Modelle. Bisher hat die Eidgenössische Armee mit Mustermodellen gearbeitet, die den Kantonen zugeschickt wurden. Neu sind präzise millimetergenaue Massangaben und auch Angaben über Material und Qualität. Die ersten Modellserien wurden ausschliesslich aus Solingen bezogen.

Die Stichblätter mit Bogen (Körbe) und die Klingen sind aus Gussstahl verfertigt, die Scheiden aus Stahlblech. Die Klingen der Mannschaftssäbel und der Säbel für berittene Offiziere sind 87 cm lang und haben beide eine Pfeilhöhe von 18 mm. Die Dicke am Gefäss beträgt 8 mm. Somit passen die Scheiden der Mannschaftssäbel auf die Offizierssäbel. Umgekehrt lassen sich nicht alle Mannschaftssäbel in Scheiden für Offizierssäbel stecken, da die Breite beim Gefäss bei den Mannschaftssäbeln 31 mm, bei den Offizierssäbeln 30 mm beträgt. Die Scheiden der Offizierssäbel sind in der Regel etwas leichter. Ein Mannschaftssäbel mit der Scheide wiegt bei 50 Gramm Toleranz zwischen 1‘780 und 1830 Gramm, ein Säbel für berittene Offiziere mit der Scheide Minimum 1‘400 Gramm, Maximum 1‘480 Gramm.
Die nicht berittenen Offiziere haben Klingen mit geraden Seitenflächen und über diese erhabenen rundem Rücken, vorn mit einer zweiten Schneide hinter dem verlängerten Rücken
(Steckrückenklinge mit Schör). Die Klingenlänge beträgt 81 cm, die Pfeilhöhe 12 mm. Das Normalgewicht des Säbels mit der Schiede für die nicht berittenen Offiziere beträgt Minimum 1100 Gramm und Maximum 1200 Gramm.
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Dienstag, 10. Januar 2017, 21:56

Die Gefässe der Säbel Ordonnanz 1867

Der Säbel für berittene Mannschaft hat einen hölzernen gerillten Griff, der mit schwarzem Leder überzogen ist. Die lange Griffkappe hat zwei durchbohrte Flügel, an denen ein Stift, der durch die Angel getrieben ist, vernietet ist. Die Daumenauflage ist konkav und rau gemacht. Der Korb besteht aus einem gewölbten Stichblatt, dessen Verlängerung nach vorn als Bügel einen Bogen bildet. Der Korb ist ringsum mit einem erhöhten Rand von oben 4 mm und unten 5 mm Dicke eingefasst und hat inwendig 6 Löcher von je 6 mm Durchmesser. Die Dicke des Korb-Blattes bei der Angel beträgt 3 mm. Die grösste Breite des Korbes beim Griff beträgt 114 mm, oben bei der Kappe beträgt die Breite immer noch 23 mm, hinter dem Griff steht der Rand 40 mm vor. Bei der Zwinge ist vor dem Griff eine Schlaufe von schwarzem Zeugleder auf dem Stichblatt befestigt.

Der Säbel für berittene Offiziere hat einen Griff von Holz mit Fischhaut überzogen und mit Silberdraht gebunden. Die Griffrückenschiene hat wie beim Mannschaftssäbel zwei Flügel mit Angel-Vernietung. Auf der verlängerten Griffkappe findet sich über der Zwinge eine geraute konkave Auflagefläche für den Daumen. Der Korb hat einen erhöhten Rand, ist durchbrochen und ziseliert und weist auf dem Bogen, der den Bügel bildet, das Eidgenössische Wappenschild auf. Der Korb endet hinten in ein 26 mm breites walzenförmiges Parierstangen-Ende, das 45 mm hinter der Zwinge vorsteht. Hier sind zwei figurierte schmale Einschnitte für das Schlagband angebracht, die aber nur dekorative Bedeutung haben. Die grösste Breite beim Griff beträgt 88 mm, oben bei der Einführung in die Griffkappe ist der Korb 18 mm breit. Die Schlaufe von schwarzem Glanzleder ist mittels einer Schraube vor dem Griff auf dem Stichblatt befestigt.

Der Säbel für die nicht berittenen Offiziere hat einen ähnlichen Griff wie der Säbel für berittene Offiziere. Der Griff ist von Holz, mit Fischhaut überzogen und mit Silberdraht gebunden. Die Rückenschiene ist ohne Flügel. Über der Zwinge findet sich ebenfalls eine rau gemachte konkave Auflagefläche für den Daumen. Die ersten und somit älteren Modelle des Säbels für die nicht berittenen Offiziere haben keine Fingerschlaufe. Der Korb ist etwas schmäler als beim Modell für berittene Offiziere. Das Stichblatt mit einem erhöhten Rand, vorn einen Bogen bildend, durchbrochen und ziseliert, mit dem eidgenössischen Wappenschild. Walzenförmiges Parierstangenende mit zwei figurierten Einschnitten für das Schlagband, die Einschnitte sind nur dekorativ. Die grösste Breite des Korbes beträgt beim Griff 77 mm und bei der Einmündung in die Griffkappe 18 mm. Das walzenförmige hintere Ende ist 26 mm breit und steht 45 mm hinter der Zwinge vor.
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Dienstag, 10. Januar 2017, 22:19

Vergleich der Gefässe Schweizer Ordonnanz 1867 mit den österreichischen Vorbildern Modell 1845

Von links nach rechts Säbel für unberittene Offiziere mit Steckrückenklinge, Säbel für berittene Offiziere mit Klingen mit beidseitigen Hohlbahnen. Säbel für berittene Mannschaft.

Die österreichischen Offizierssäbel haben oben an der Griffkappe eine vierfache Absetzung, jedoch keine Flügel. Die Schweizer Offiziersmodelle haben oben an der Griffkappe als Zierelement eine Querrinne mit Rand. Die Körbe der österreichischen Offiziersmodelle sind leicht asymmetrisch, die schweizerischen Modelle sind symmetrisch. Der schweizerische Säbel für berittene Mannschaft hat sechs Löcher, der österreichische Mannschaftssäbel deren acht. Das schweizerische Mannschaftsmodell verzichtet auf einen Parierstangenabschluss, während das österreichische Modell einen Abschluss andeutet. Die Griffkappe ist beim Schweizer Modell oben glatt, das österreichische Mannschaftsmodell hat das gleiche Zierelement wie die schweizerischen Offiziersmodelle, eine Querrinne mit Rand.
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Samstag, 14. Januar 2017, 20:30

Kontrollstempel an den Säbeln der Ordonnanz 1867

Am 12. Mai 1868 erging folgendes Kreisschreiben des Eidg. Militärdepartementes an die Militärbehörden der Kantone:

„Zur Sicherstellung, ob die Säbel nach neuem Modell der eidg. Kontrolle unterstellt worden sind, werden dieselben von der Verwaltung des eidgen. Kriegsmaterials, welche mit der Kontrolle beauftragt ist, mit folgenden Stempelzeichen versehen: I. die als gut angenommenen mit dem eidg. Kreuz und zwar das Gefäss – hinten am Griff, die Klinge – am oberen Ende, auf der dem Fabrikzeichen entgegengesetzten Seite, die Scheide auf dem oberen Band beim Ring. II. die als unbrauchbar verworfenen mit den Buchstaben A an den nämlichen Stellen …“

Aufgrund der vorhandenen Realstücke vermute ich, dass mit der Neuorganisation des Eidgenössischen Heeres von 1875 auf die Kontrollzeichen am Griff verzichtet wurde. Säbel mit dem Kontrollzeichen am Griff gehören somit zu den ersten Serien beschaffter und kontrollierter Säbel.

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Samstag, 14. Januar 2017, 20:54

Kontrollstempel am Säbel für berittene Mannschaft 1867

Eigentlich war vorgesehen, nur die Eidgenössischen Kontrollstempel an Griff, Klinge und Scheide anzubringen. Die Kantone taten sich aber schwer, ihre Militärhoheit an den Bund abzugeben. So finden sich auf den ersten Jahrgängen auch noch kantonale Kontrollstempel auf den Griffen. Als Beispiele die Stempel des Kantons Thurgau (TH), Kanton Zürich (schräg geteiltes Wappen mit ZZ) und Kanton Genf (Wappen mit Schlüssel und Adler, nicht deutlich). Der Kanton Bern hatte seine Säbel seit 1804 auf der Klinge markiert. Als Beispiele zwei Berner Stempel mit dem Bären als Wappentier und der Säbelnummer gefolgt mit Punkt auf der Klinge (Wappen Bern).
Die Bilder am Schluss zeigen die ordentlichen Eidgenössischen Stempel an der Klinge, am Griff und am oberen Ringband.
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  • Stempelzeichen Säbel 1867 005.JPG
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Samstag, 14. Januar 2017, 23:15

Eidgenössische Stempelzeichen am Säbel 1867 für berittene Offiziere

Sichtbar sind die vorschriftsgemässen Kontrollzeichen an Griff, Klinge und Scheide. Die Klinge ist beidseitig beschriftet: Mit Hersteller und auf der andern Seite mit der Qualitätsbezeichnung "Eisenhauer". Die Kontrollmarke an der Klinge ist korrekt angebracht, nämlich auf der dem Fabrikzeichen gegenüberliegenden Seite.
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  • Stempelzeichen Säbel 1867 012.JPG
  • Stempelzeichen Säbel 1867 013.JPG
  • Stempelzeichen Säbel 1867 016.JPG

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Samstag, 14. Januar 2017, 23:20

Eidgenössische Stempelzeichen am Säbel 1867 für unberittene Offiziere

Die Stempelzeichen sind ordonnanzmässig angebracht. Da es sich um ein frühes Modell handelt, weist der Griff am Säbel für unberittene Offiziere noch keine Fingerschlaufe auf.
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  • Stempelzeichen Säbel 1867 026.JPG
  • Stempelzeichen Säbel 1867 027.JPG
  • Stempelzeichen Säbel 1867 022.JPG

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Donnerstag, 2. Februar 2017, 22:15

Scheiden zum Säbel für berittene Mannschaft 1867

Zum Säbel für berittene Mannschaft 1867 wurden folgende vier Typen von Scheiden getragen:

Typ A: Zwei Bänder mit je einem Ring, oberes Ringband im Abstand von 88 mm und unteres Ringband im Abstand von 320 mm je vom Scheidenmund an gemessen. Diese beiden Ringbänder entsprachen der Ordonnanz bei der Einführung des Säbels 1867. Da in der Ordonnanz von 1867 nicht genau präzisiert wurde, ob diese Abstände vom Scheidenmund an gemessen bis zum oberen oder unteren Rand des Ringbandes oder bis zur Mitte des Ringbandes reichen sollen, kommen je nach Interpretation des Herstellers alle Varianten vor.

Typ B: Das obere Ringband der Ordonnanz 1867 wird neu durch ein Ösenband ersetzt. Die Abstände vom Scheidenmund an gemessen bleiben genau gleich wie bei Typ A, nämlich 88 mm für das Ösenband und 320 mm für das Ringband. Obschon sich in Sammlungen entsprechende Realstücke befinden, blieb dieser Scheidentyp bisher in der Fachliteratur unberücksichtigt. Wann genau diese Änderung vorgenommen wurde, konnte bisher nicht präzise dokumentiert werden. Es ist anzunehmen, dass diese Änderung nach 1875 im Rahmen der Erneuerungen von Bekleidung und Bewaffnung vorgenommen worden ist. Es könnte sich auch um einmalige Jahrestranchen handeln, die in den Jahren 1878 oder 1879 geliefert wurden. Jedenfalls ist dieser Scheidentyp sehr selten und kaum aufzutreiben.

Typ C: Oben ein Ösenband und unten ein Ringband, die Abstände vom Scheidenmund an gemessen bis Mitte Band betragen jedoch nur noch 50 mm für das Ösenband und 140 mm für das Ringband. Dieser Scheidentyp ist am häufigsten anzutreffen. Hier ist die Datierung bekannt, denn diese Änderung an den Säbeln wurde am 17. Sept. 1878 beschlossen und am 20. Sept. 1878 durch Kreisschreiben des Militärdepartements den Waffen- und Abteilungschefs bekannt gemacht. Von diesem Scheidentypus existieren auch Zeichnungen der Kriegstechnischen Abteilung.

Typ D: ein einziges kombiniertes Ring- und Ösenband. Der Abstand vom Scheidenmund an gemessen bis Mitte Band beträgt 70 mm. Auch dieser Scheidentypus ist selten. Das Bild mit der punzierten KKL (Kriegs Kommissariat Luzern) zeigt eine solche Scheide. Es handelt sich dabei um neue Scheiden, die nach der neuen Tragart 1896 konstruiert worden sind. Die Fahrer der Artillerie mussten nach Einführung des neuen Säbelmodells für berittene Mannschaft 1896/02 die Restbestände an alten Modellen 1867 austragen. Damit jedoch an die Fahrerrekruten gute Säbel abgegeben werden konnten, wurden alte Säbel aufgefrischt und falls notwendig mit neuen Scheiden, eben solchen nach Tragart 1896, ausgerüstet. Der Bedarf an Ersatzscheiden für defekte Scheiden der Säbel 1867 war hoch, denn alle Kavalleristen, die vor 1896 ausgerüstet wurden, behielten ja ihre Säbel älteren Modells. Entsprechen wurden bis 1912 Ersatzscheiden für den Säbel 1867 angeschafft. Folgende Mengen an Scheiden mit nur einem kombinierten Ring- und Ösenband wurden beschafft: 1903: 200 Stück, 1904: 500 Stück, 1905: 500 Stück, 1907: 600 Stück, 1910: 200 Stück und 1912: 300 Stück.1906 erhielten noch alle Fahrerrekruten den Säbel Modell 1867. In den Jahren 1907 und 1908 wurden den Rekruten je nach Lagerbeständen in den Zeughäusern Säbel des Modells 1867 oder bereits die neueren Säbel Modell 1896/02 abgegeben. Ab 1909 erhielten alle Fahrerrekruten den Säbel 1896/02.
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Sonntag, 19. Februar 2017, 20:41

Scheiden zum Säbel für berittene Offiziere 1867

Zum Säbel für berittene Offiziere gibt es drei ordonnanzmässige Variante und eine Variante für die Tragart 1899. Die Variante für die Tragart ist sehr selten, denn von allen Säbeln der Ordonnanz 1867 war dem Säbel für berittene Offiziere die kürzeste Karriere beschieden. Mit Verfügung vom 8. April 1881 durften sich Kavallerieoffiziere und Artillerieoffiziere von kleinem Wuchs mit dem Säbel für unberittene Offiziere ausrüsten. Offiziere, die aus den Fusstruppen hervorgehen oder die infolge Beförderung oder Umteilung beritten werden, behalten ihre bisherigen Offizierssäbel oder dürfen sich mit dem leichteren Infanterie-Offizierssäbel ausrüsten. Am 11. Dezember 1893 wurde durch Bundesrats Beschluss der leichtere Säbel der unberittenen Offiziere als Ordonnanz erklärt. Ab 1894 wurden somit für neuernannte Offiziere der Kavallerie und Artillerie keine Modelle 1867 für berittene Offiziere mehr abgegeben. Da keine Umrüstung stattfand, behielten die berittenen Offiziere ihre schweren Säbel und durften sie nach Einführung des neuen Säbels Ordonnanz 1899 bezüglich Tragart umändern.

Variante A: Zwei Ringbänder. Laut Ordonnanz vom 5. September 1867 verfügen die Scheiden der berittenen Offiziere über zwei Ringbänder, welche einen Abstand von 88 mm und 320 mm vom Scheidenmund aufweisen, also genau die gleichen Abstände wie bei den Scheiden für berittene Mannschaft. Da die Klingen der Offizierssäbel etwas schmäler sind, passen sie in die Scheiden der Mannschaft. Mannschaftssäbel dagegen lassen sich nicht in Scheiden der Offizierssäbel versorgen. Die Scheiden für Offizierssäbel sind etwas leichter als die der Mannschaftssäbel. Da viele Offizierssäbel mit Mannschaftsscheiden im Umlauf sind, ist anzunehmen, dass defekte Offizierssäbelscheiden kostengünstig im Zeughaus gegen Mannschaftsscheiden ausgetauscht wurden.

Variante B: Ein Ringband und ein Ösenband. Im Zuge der vollständigen Neuorganisation des Bundesheeres von 1875 wurden am 1. März 1878 die Abschnitte für Kleidung und Bewaffnung für Offiziere der schweizerischen Armee neu geregelt. Ob diese Änderung erst 1878 eingeführt wurde oder ob sie vorher schon stattfand und die Bestimmung von 1878 lediglich den Status quo abbildet, kann nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden. Im Gegensatz zum Säbel für berittene Mannschaft wurden beim Säbel für berittene Offiziere die Abstände verringert, und zwar auf 70 mm und 240 mm vom Scheidenmund. Es ist wenig plausibel, dass diese Änderung erst im März 1878 beschlossen wurde und dann bereits wieder im September 1878 abgeändert wurde. Das spricht für die Vermutung, dass diese Änderung schon vor 1878 eingeführt wurde.

Variante C: Ringband und Ösenband im Abstand von 50 mm und 140 mm vom Scheidenmund. Diese Änderung wurde am 17. September 1878 beschlossen und durch Kreisschreiben vom 20. September 1878 den Waffen- und Abteilungschefs bekannt gemacht. Diese Variante fand dann auch Eingang in die Technischen Zeichnungen der KTA. Diese Pläne sind datiert mit September 1884. Sie halten den Status quo fest.

Variante D: Es sind Exemplare bekannt, die statt eines kombinierten Ring-Ösenbands nur ein einfaches Ringband ohne Öse tragen (Zweites Bild von rechts). Diese Ringbänder tragen meist den Eidgenössischen Stempel. Obschon der Säbel für berittene Offiziere 1867 im Jahre 1899 schon seit sechs Jahren nicht mehr an neue ernannte beritten Offiziere abgegeben wurde, behielten die ausgerüsteten berittenen Offiziere ihre Säbel. Nach der Ordonnanz für den neuen Säbel 1899 war es den Offizieren gestattet, ihre Säbel der Ordonnanz 1867 bezüglich der Tragart umzuändern. Es sind auch Varianten bekannt, bei denen Ring- und Ösenband zusammengeschoben wurden (Erstes Bild von rechts).
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Montag, 20. Februar 2017, 17:32

Scheiden zum Säbel für unberittene Offiziere 1867

Der Säbel für unberittene Offiziere nach Ordonnanz 1867 hat eine gesteckte Rückenklinge mit ausgeprägtem Schör, oder nach dem Wortlaut der Ordonnanz vom 5. Dezember 1867 „eine Klinge mit zwei geraden Seitenflächen und über diese erhabenen runden Rücken, vorn mit einer zweiten Schneide hinter dem verlängerten Rücken“. Die Länge der Klinge beträgt 81 cm, Die Pfeilhöhe beträgt
12 mm und die zweite Schneide nimmt ihren Anfang 30 cm hinter der Spitze. Die Öffnung des Mundblechs der Scheiden hat eine Aussparung für den erhabenen Rundrücken und die flache Klinge, die von oben wie ein Schlüsselloch aussieht. Die Scheiden der Säbel für unberittene Offiziere 1867 sind mit keinem andern Säbelmodell kompatibel.

Wie bei den beiden andern Säbel der Ordonnanz 1867 existieren vier Varianten von Scheiden.

Variante A: Zwei Ringbänder nach der ursprünglichen Ordonnanz 1867. Die Abstände vom Scheidenmund sind jedoch kürzer als beim Säbel für berittene Offiziere und beim Säbel für berittene Mannschaft. Die Abstände der beiden Ringbänder betragen beim Säbel für unberittene Offiziere 70 mm und 265 mm.

Variante B: Ein Ringband und ein Ösenband. Das Ösenband 7 cm und das Ringband 26,5 cm vom Scheidenmund entfernt. Im Zuge der vollständigen Neuorganisation des Bundesheeres von 1875 wurden am 1. März 1878 die Abschnitte für Kleidung und Bewaffnung für Offiziere der schweizerischen Armee neu geregelt. Ob diese Änderung erst 1878 eingeführt wurde oder ob sie vorher schon
stattfand und die Bestimmung von 1878 lediglich den Status quo abbildet, kann nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden. Wortlaut der Bestimmung vom 1. März 1878: „Auf 70 und 265 mm vom obern Ende je ein 7 mm breites Band; am obern Bande ist auf der innern Seite der Scheide ein fester Bügel, am untern Bande auf dem Rücken der Scheide ein beweglicher, gelöteter Ring angebracht“. Die Abstände wurden somit nicht geändert.

Variante C: Ringband und Ösenband, Abstände jedoch verkürzt. Das Ösenband (Krampe) wird auf 50 mm und das Ringband auf 140 mm vom Scheidenmund entfernt geändert. Diese Ordonnanzänderung am „gegenwärtigen“ Offizierssäbel (am 11. Dezember 1893 ist der leichtere Säbel für unberittene Offiziere für alle Offiziere als Ordonnanz erklärt worden) wurde mit Verfügung vom 17. April 1894 erlassen: „Mit Rücksicht auf den Übelstand, dass bei gegenwärtigen Offizierssäbel der untere Ring der Scheide beim Reiten sich unter die Sattelunterlagedecke schiebt und dadurch für den Reiter ein unangenehmes Reissen verursacht, hat das Departement verfügt, es sei an der Säbelscheide die Krampe auf 5 cm und der Ring auf 14 cm Entfernung vom Mundstück derselben anzubringen“.

Variante D: Ein kombiniertes Ring- Ösenband. Mit Beschluss vom 7. September 1899 wurde mit dem „Säbel mit gerader Klinge“ eine neue Offizierswaffe eingeführt. Im erwähnten Beschluss wurde jedoch ausdrücklich festgehalten, dass der bisherige Säbel bezüglich der Tragart umgeändert werden darf. Somit war es erlaubt, den alten Offizierssäbel mit einer modifizierten Scheide, die dem neuen Typ des kombinierten Ring-Ösenbands entsprach, zu tragen. Anhand zahlreicher vorhandener Realstücke kann festgestellt werden, dass von dieser Möglichkeit wurde ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Neben dem kombinierten Ring-Ösenband existiert auch eine Variante mit einem Ringband ohne Krampe.
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Montag, 20. Februar 2017, 17:55

Die lange Armeekarriere des Säbels für unberittene Offiziere 1867/99

Von allen Säbeln der Ordonnanz 1867 weist der Säbel für unberittene Offiziere die längste Lebensdauer als Ordonnanzwaffe auf. Nach der Ausrüstungstabelle für Rekruten und neu ernannte Unteroffiziere wurden neu ernannte Adjutantender Feldpost und Feldtelegraphen bis in die 1920er Jahre mit Offizierssäbeln „älteren Modells“ ausgerüstet. Damit sind die Säbel für unberittene Offiziere gemeint, die aufgefrischt wurden und eine neue Scheide nach Tragart 1899 erhielten. Während des ersten Weltkrieges wurden die Säbel mit brünierten Griffen und Scheiden abgegeben. Brünierte Säbel dieses Typs mit der richtigen brünierten Scheide nach Tragart 1899 sind sehr selten. Das letzte Bild zeigt einen Säbel mit einfachem Ringband ohne Krampe.
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Mittwoch, 22. März 2017, 20:17

Daumen hoch!!!

Toller Bericht. danke für deine Bemühungen! Gibt es nichts, aber wirklich nichts was ich persönlich beifügen könnte.

Dragoner
Wer früher stirbt, ist länger tot.