Sie sind nicht angemeldet.

1

Montag, 2. Januar 2017, 18:50

Blankwaffen aus dem Kirchenstaat nach 1815

1815 wurde Europa auf dem Wiener Kongress geordnet und dabei der Kirchenstaat in seinen Grenzen von 1797 – also unter Verzicht auf die früheren südfranzösischen Exklaven – wiederhergestellt. Er umfasste das Gebiet um Rom von Civitavecchia bis Gaeta, die Regionen Umbrien, Marche und die Emilia Romagna. In dieser Zeit besaß der Kirchenstaat eine verhältnismäßig kleine Armee. 1823 umfasste sie etwa 9100 Mann, die in Civitavecchia stationierte Flotte besaß zwei Fregatten. Am 6. Oktober 1870 wurde in einer Volksabstimmung der Anschluss des Kirchenstaates an das Königreich Italien proklamiert.

Nach dem Zusammenbruch des Napoleonischen Reiches musste der Kirchenstaat sein Heer und seine Zeughausbestände wieder aufbauen. Es war nicht möglich, die benötigte Ausrüstung selber herzustellen. Grosse Bestände wurden von katholischen Organisationen aus halb Europa geliefert. Bei den Blankwaffen gab es Modelle nach französischer, österreichischer und neapolitanischer Mode. Die Blankwaffenforschung setzte zu spät ein und es ist nie gelungen, Ordnung in diese Vielfalt zu bringen und die Modelle den entsprechenden Einheiten und Dienstgraden genau zuzuordnen. Das päpstliche Zeughaus und die Fragmente des päpstlichen Heeres wurden 1970 von Papst Paul VI aufgelöst und die Blankwaffen verschwanden in den Händen einiger weniger Sammler und Händler. Das päpstliche Heer ist nicht zu verwechseln mit der Schweizergarde, die heute noch besteht. Ebenso sind die ehemaligen Schweizer Regimenter in Römischen Diensten nicht zu
verwechseln mit der Schweizer Garde.

Pius IX. (1846 – 1878) war der letzte Herrscher des Kirchenstaates. Blankwaffen mit der entsprechenden Widmung sind dieser Epoche zuzuordnen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (2. Januar 2017, 19:51)


2

Montag, 2. Januar 2017, 19:18

Kirchenstaat. Säbel mit gerader Klinge nach österreichischer Fassung. Um 1855/60. Vermutlich berittener Stabsoffizier.

Der Griff zeigt Ähnlichkeiten mit dem österreichischen Säbel für unberittene Offiziere. Die Stahlscheide hat zwei Buchelringbänder nach österreichischer Art und ein Mundblech aus Messing. Das Gehilze ist mit Leder überzogen und mit einer Lage Wickeldraht und einer parallelen Lage von einfachem Draht umwunden. Ganze Griffkappe mit Zwinge; oben ist die Griffkappe geschlitz und nimmt den Bügel auf, der inwendig im Griff wahrscheinlich von der Angel durchbohrt wird. Oben an der Griffkappe findet sich die Verschraubung der Klinge in Form eines trapezförmigen Plättchens. Bügel und Parierstange aus flachem kräftigen Eisen. Die Parierstange endet in einer stark ortwärts geneigten Rolle mit Verzierungen. Auffällig sind die beiden breiten Schlitze für die Aufnahme des Schlagbandes.

Die Klinge misst 86 cm und ist an der Wurzel 2,5 cm breit. 16 cm unterhalt der Parierstange beginnt ein beidseitiger Hohlschliff, der griffseitig spindelförmig ausläuft. 22 cm vom Ort entfernt geht der Hohlschliff beidseitig in einen doppelten Hohlschliff über. Die Klinge trägt terzseitig das Wappen des Kirdchenstaats mit dem päpstliche gekreuzten Doppelschlüssel. Quartseitig ist in einer Kartusche die Ehren-Referenz an den herrschenden Papsts "VIVA PIO IX" eingraviert.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • Kirchenstaat 008.JPG
  • Kirchenstaat 010.JPG
  • Kirchenstaat 009.JPG
  • Kirchenstaat 011.JPG
  • Kirchenstaat 012.JPG
  • Kirchenstaat 013.JPG
  • Kirchenstaat 016.JPG
  • Kirchenstaat 018.JPG
  • Kirchenstaat 021.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (3. Januar 2017, 13:58)


3

Montag, 2. Januar 2017, 19:43

Kirchenstaat. Degen eines Generals. Heer und GUARDIA CIVICA PONTIFICIA. Ab ca. 1850

Dieser Säbeltyp wird von Calamandrei (Storia dell'arma bianca italiana), Ausgabe 2008, auf Seite 342 beschrieben. Er beschreibt ihn als Generalsdegen der Guardia Civica Pontificia Modell 1847. Die Guardia Civica Pontificia wurde 1847 wieder neu gegründet. Dieser Degen ist aber auch auf Fotos von schweizer Generälen des päpstlichen Heeres zu sehen. Je höher der Rang, um so zahlreicher die Bügel. Aufgrund der Inschrift fällt dieser Degen in die Amtszeit von Papst Pius IX.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • DSCF1455.JPG
  • DSCF1454.JPG
  • DSCF1453.JPG
  • DSCF1452.JPG
  • DSCF1456.JPG
  • DSCF1457.JPG

4

Dienstag, 3. Januar 2017, 13:39

Herzlichen Dank für den interessanten Beitrag.
corrado26

5

Donnerstag, 5. Januar 2017, 06:37

Ich möchte mich den Worten meines Vorredners dankend anschliessen. königsberg

Ähnliche Themen