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Donnerstag, 1. September 2016, 21:41

Tromblon mit Fragen

Hallo zusammen,

Ich besitze seit einiger Zeit einen Tromblon den ich nicht recht zuordnen kann.
Er weist einige Besonderheiten auf:

Gesamtlänge: 560 mm
Lauflänge: 243 mm

Er lässt sich trotz seiner Kürze bequem an der Schulter anschlagen. Der kantige nach Balustern in rund übergehende Damastlauf erweitert sich im Mündungsbereich auf 47 mm. Auf der rechten Laufseite sind mittig die grob eingeschlagenen Ziffern „8L22“ und im kantigen Bereich „IPR/EXR/2I“ zu erkennen. Das rückliegende Perkussionsschloss hat eine starke Feder. Auf der Gegenseite ist ein Gürtelhaken angebracht. Der Lauf wird im Vorderschaft durch einen Keil gehalten. Der Ladestock wird durch eine Art Feder am Ladestockröhrchen in seiner Position gehalten. Die Verarbeitung und die Passungen sind sehr gut, so dass man von keiner Billigproduktion sprechen kann. Außer den geschlagenen Ziffern gibt es nur noch auf der Schwanzschraube die Buchstaben „WD“, sonst nichts.

Immer wieder tauchen identische Exemplare mit leicht veränderten geschlagenen Ziffern auf.
Die Preise sind sehr unterschiedlich und übersteigen auch mal 2000.- $.

Nun wäre es schön, wenn jemand etwas Licht ins Dunkel bringen könnte, also welchem Land könnte so etwas zugeordnet werden? In Europa war zur Perkussionsära eigentlich die Zeit des Tromblons vorüber, jedoch in britischen, französischen oder belgischen Kolonien hätte man so etwas eventuell noch gebrauchen können.
Was ist von den hässlich eingeschlagenen Ziffern zu halten?
Was könnte uns das „WD“ auf der Schwanzschraube sagen?

Ich freue mich schon auf rege Beiträge!

Viele Grüße vom Jagdsammler
»Jagdsammler« hat folgende Bilder angehängt:
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  • DSCI0025.JPG
  • DSCI0023 - Kopie.JPG

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Samstag, 3. September 2016, 08:44

Das Tromblon dürfte aus England kommen, zumindest steht der Stempel "WD" für das britische War Department Der Stempel 1PR/EXR/21 könnte für einmaligen Prüfbeschuss und anschließenden Export stehen. Der andere Stempel ist mir völlig unbekannt, eventuell handelt es sich um einen Depot- oder Lagerstempel. Im Bestand der Armee war das Stück aber sicherlich nicht, dazu fehlen der "Broad Arrow" und die Stempel "BO" des Board of Ordnance sowie vor allen Dingen der englische Beschuss- und die entsprechende Beschaumarke.
corrado26

3

Samstag, 3. September 2016, 14:21

Als vor etwa 40 oder 50 Jahren das Arsenal von Hyderabad in Indien aufgelöst wurde, tauchten in Europa viele, zum Teil recht hochwertge, englische Waffen mit einem ähnlichen Stempel auf. Er dürfte wohl im Zusammenhang mit dem Export eingeschlagen worden sein. Vielleicht handelt es sich um eine solches Stück.

Gruss
blankhans

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Samstag, 3. September 2016, 17:07

Hallo corrado26 und blankhans,

vielen Dank für Eure Antworten!
Ich habe mir schon gedacht, dass es in Richtung Kolonien geht, da typische Stempel fehlen.
Die Erklärung für das "WD" ist sehr interessant und würde ja dann auch mit Indien zusammenpassen.
Vom Alter her, was meint Ihr? So um 1900?
Das letzte Exemplar sah ich auf der diesjährigen Internationalen Sammlermesse Ulm an einem Stand mit einem Bilderbuch-Inder, so schön mit passender Kopfbedeckung. Auch hier der Preis einiges über 1000.- €!
Jedenfalls, das Teil ist sauber verarbeitet und sieht trotz seiner Kompaktheit beeindruckend aus.
Auch könnte ich mir vorstellen den Tromblon einmal auszuprobieren.

Viele Grüße vom Jagdsammler