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Montag, 29. Dezember 2014, 21:18

Stahlhelm M17 des Heimatschutzverbandes Niederösterreich (Niederösterreichische Heimwehr) um 1930/34

Stahlhelm M17 des Heimatschutzverbandes Niederösterreich (Niederösterreichische Heimwehr) um 1930/34



--siehe auch: österreichischer Stahlhelm M17 der Heimwehr
Dieser äußerst seltene interessante Helm der ansonsten schon selteneren Heimwehr-Helme ist hier diesmal (sic!) ausnahmsweise ganz genau regional zuordenbar. Der Helm ist ein [/b]kuk M17, der nach 1918 und zwischen 1928 und 1936 für HW-Zwecke adaptiert worden ist.
Dieses Grüngrau war eine gängige Farbe von HW Helme gewesen, darüber hinaus ist noch eine Art Khaki, die sich jedoch vom altösterreichischen feldbraun des WK1 unterschied, gebräuchlich gewesen. Unter dem Grüngrau ist deutlich das kuk feldbraun zwischen 1916 und 1918 zu erkennen. Dabei wurde ein lederner Sturmriemen gegenüber dem altösterr. leinenen ergänzt und der Innenhelm durch eine schon mehrfach in HW-Helmen gesichtete „bessere“ Wildlederfütterung ersetzt. Aufgrund gewisser Eigenheiten könnte man den Helm vorsichtig der Produktion von Kapfenberg/Böhler aus 1918 zuweisen bzw. könnte er auch aus dem Nachkriegs-Sachdemobilisierungsfundus (nicht mehr nach 11/1918 ausgelieferter kuk Helme von Böhler) der Jahre 1918/20 stammen.


Eine lokal einwandfreie Zuordenbarkeit eines dieser seltenen Helme bleibt eine vorerst rare Tatsache, die bei den von österr. Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich und inhomogenen Selbstschutz- bzw. Heimwehrverbänden der Zwischenkriegszeit bis 1936 und deren bis dato nicht lückenlos erforschten Strukturen, Kennzeichnungen etc.etc. ---gar nicht oft vorkommt. Auch die diversen Bezeichnungen dieser Organisationen wechselten häufiger, summa summarum also eine recht komplexe Angelegenheit. So bestand z.B. bis zumindest 1931 für das hier in Frage kommende niederösterreichische Industrieviertel eine starke Beeinflussung durch den nahen Steirischen Heimatschutz bzw. dessen NÖ Ableger „NÖ Heimatschutzverband Organisationsgebiet Süd“, der wiederum in Konkurrenz zu von Julius Raab dominierten sonstigen NÖ HW Verbänden va. Rm Mostviertel stand. Diese Aussage kann aber wiederum nur für ein kurzes Zeitfenster getroffen werden. Aufgrund sonstiger zahlreich existierender eigenständiger Verbände und deren generell nur ungenügenden Einigungserfolge sind Aussagen zum Thema sehr schwierig.
In diesem Fall dürfte der Helm aber zu der betreffenden Ortswehr der im Frontemblem ersichtlichen Örtlichkeit gehört haben. Ortswehren der Heimwehr, wie mutmaßlich diese waren am 13 06 1934 gegen den seit 1933 immer stärker einsetzenden teils [i]massiven gegen Österreich gerichteten NS-Terror (Bombenanschläge gegen Infrastruktur und Menschen) gegründet worden.[/i]
Sie waren grundsätzlich (nur in Niederösterreich!) zuständigkeitshalber entsprechend nach Bezirkshauptmannschaften und den NÖ-typischen historischen „Vierteln“ wie Waldviertel, Weinviertel, Viertel ober dem Wienerwald bzw Mostviertel oder Viertel unter dem Wienerwald bzw. Industrieviertel) ausgerichtet und zusätzlich aufgestellten mobilen HW-Jägerbaonen-hier vmtl. das HW-JgB35, angegliedert bzw. unterstellt.

Bekannt sind für den Bezirk Waidhofen an der Ybbs die HW- JgBaone 62 und 63, sowie für den Bezirk Amstetten die Baone 57 oder 58. Ein Viertel entsprach bis ca. 1935 in etwa einem Brigadeäquivalent, also 4 Brigaden, die aus zwischen 3-5 Regimentern bestanden. Regimentern bestanden aus ca. 4 Baonen. Regimenter waren sogenannten Kreisen -bestehend aus mehreren Verwaltungs- bzw. Gerichtsbezirken- zugeordnet. Hier käme als Hauptort eines ev. zutreffenden Kreises Mödling in Frage. Innerhalb der Kreise gab es dann wieder ca. 2-4 Jg Baone, die quasi als untere bestehende Rechengrösse herangezogen worden sind und wovon 1-2 Baone einem Verwaltungsbezirk zugeordnet waren. Dabei waren die Befüllungsgrade in diesen Baonen ebenfalls sehr unterschiedlich und differierten tlw. enorm, zB zwischen 85 und 700 Mann. Dies ergäbe in etwa, sehr nachsichtig bewertet und großzügig berechnet in etwa 4 Brigaden, 16 Regimenter, zwischen 64 und 66 Baone (mobil und Standmiliz) und um die 45.000 Mann inklusive der Ortswehren. Diese Stärken würden sich aber in etwa mit bekannten vagen und hinterfragungswürdigen Zahlen um 1934/35 treffen, zumindest soweit dies NÖ beträfe. Dabei kann keine Aussage über deren Einsatzwert getroffen werden, der wahrscheinlich ebenfalls regional starken Schwankungen ausgesetzt war.
Jedenfalls ist für die hier bei diesem Helm in Frage kommenden NÖ HW-Verbände deren Einsatz lokal und in der Steiermark, insbesondere gegen den gescheiterten und nach schweren Verlusten und Opfern mühsam niedergeschlagenen NS-Putsch im Juli 1934 bekannt,. Dennoch werden bzw sollen hier keine Aussagen über damalige existierende Auseinandersetzungen und starke Gegensätzlichkeiten zwischen stark verfeindeten polit. Lagern getroffen werden bzw diese ausgespart bleiben bzw eignen sich hier nicht als Thema, außer vielleicht dem nicht unwichtigen erwähnenswerten Umstand, dass Österreich immerhin noch weitere 4 Jahre durch den verlustreichen Einsatz auch von s.g. Selbstschutzverbänden von einem übermächtigen NS-Gegner freigehalten werden konnte.

Außerhalb von NÖ waren Strukturen, Stärken etc etc tlw um so manches und vieles anders. Auch änderte sich mit 1937 und der Gründung der Frontmiliz bzw. Auflösung der HW bzw. deren Inkorporierung und endgültige Unterstellung unter das Österr. Bundesheer ihrer Teile auch die Organisationskultur.
Lit.: ua "Heimwehr-Eine unwiderstehliche Bewegung?" Walter Wiltschegg 1985, Heimatschutz in Österreich 1935, Frontmiliz 1937
A.E.I.O.U.

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Samstag, 10. Januar 2015, 14:05

Wirklich niemand hier, der etwas dazu zu berichten weiss?? Wirklich schade.... :(
A.E.I.O.U.

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Freitag, 6. Februar 2015, 19:25

Zu berichten vermag ich leider nichts, lieber Gerhard.

Ich kann zu Deinem Beitrag lediglich berichten, dass ich ihn mit viel Interesse gelesen habe! Er ist, wie alle Deiner Beiträge, sehr informativ und sehr lesenswert! Zumal der Helm aus NÖ kommt (das Bundesland in dem ich Frauenklau betrieben habe).

Aber eine Frage in dieser Sache richte ich dennoch an Dich: im letzten Urlaub habe ich einen Stahlhelm in Erdbraun Modell 1916 oder 1918 gesehen mit einem Wappenschild "weiss/grün". Steyrische Heimwehr? Oder wo ist dieser Helm zu zuordnen?

Peter
Wer früher stirbt, ist länger tot.

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Freitag, 6. Februar 2015, 19:50

Lieber Peter!
Ich freue mich über deinen netten v.a. interessierten Kommentar--hier sage ich--auch wie immer gewohnt von dir!! :]
Das grün-weisse Wappenschild und der manchmal zusätzlich zu sehende --oder nur alleine auf dem Helm befindliche --grüne Mittelstreifen (va. dieser...) sind allgemeine Zeichen der österr. HW, die so ab 1929/30 aufgekommen sind, aber leider keine exakte lokale Zuordnung innerhalb Österreichs zulassen. Am ehesten noch eine regionale, also grün-weisses Helmwappen plus Kompanienr. am ehesten Steiermark, Oberösterreich oder Salzburg. Tiroler HW-Helme hatten ein etwas anderes grün-weisses Wappenschild, steirische Helme manchmal auch den steirischen Panther vorne drauf. Deshalb ist ja gerade der aktuell besprochene Helm aus NÖ eine Rarität, weil es selten vorkommt, dass diese exakte Zuordnung möglich ist. Die HW war ein ziemlich inhomogener "Haufen", dessen Ausgestaltungen zwischen den diesbezüglich ein recht föderales Eigenleben führenden Bundesländern recht differierten--auch wenn es zeitweilig eine s.g. Bundesführung gegeben hat.
Hierals Beispiel f.d. HW-Helm mit Wappenschild--s.d.: österreichischer Stahlhelm M17 der Heimwehr

PS: Nähere Umstände deines Frauenklaus wollen wir da gar nicht sooo genau wissen.... :D :D :D
A.E.I.O.U.