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1

Freitag, 9. November 2007, 16:36

Uropas Säbel

Grüß Gott zusammen,

seit geraumer Zeit versuche ich vergeblich, die Truppenzugehörigkeit meines Urgroßvaters im Weltkrieg festzustellen. In meinem Besitz befindet sich noch ein Wäschesack des Dragoner-Regiments Königin Olga (1. württembergisches Nr. 25 in Ludwigsburg), eine dreiteilige Ordens(Auszeichnungs)spange mit EK II, Dienstmedaille IX Württemberg und Frontkämpfer-Ehrenkreuz 1934, eine Regiments-Ehrennadel mit gekrönter Chiffre „W“ (übereinstimmend mit der Chiffre auf dem Wilhelmskreuz 1915, zwei Photographien als Kavallerie-Gefreiter in Feld-Uniform mit Pistole 08, Kavallerie-Säbel und „Krätzchen“ datiert 1914 Ludwigsburg und der (wieder ausgegrabene) Säbel. Nach Familien-Überlieferung, die ja nicht stimmen muß, ist er als Sergeant ausgeschieden und war im Krieg in Serbien. Die auf Grund der Ehrennadel in Frage kommenden Regimenter Dragoner-Regiment „König Wilhelm“ (2. württembergisches Nr. 26) und Infanterie-Regiment „König“ (6. württembergisches Nr. 124), beide in Stuttgart, waren meines Wissens nicht im Serbien-Feldzug. In Ludwigsburg soll es neben dem württembergischen Reserve-Dragoner-Regiment (war auch nicht in Serbien) auch noch zwei selbständige Landwehr-Kavallerie-Eskadrons gegeben haben. Die kämen unter Berücksichtigung des Geburtsjahrganges 1872 am ehesten in Frage. Bei dem Säbel handelt es sich wohl um enen M 1835 preußischen Füsiliersäbel, der ab 1871 auch in Württemberg im Einsatz war, Die Klinge ist mit „E. & F. HÖRSTER SOLINGEN“ gemarkt, in bestem Zustand und höllisch scharf – es kann sich also nicht um ein Rangabzeichen handeln. Der Säbel wurde wohl 1945 vergraben und ist deshalb einseitig stark rostnarbig. Weiß jemand etwas Näheres?

2

Freitag, 9. November 2007, 19:07

RE: Uropas Säbel

Zitat

Original von Horst
Bei dem Säbel handelt es sich wohl um enen M 1835 preußischen Füsiliersäbel, der ab 1871 auch in Württemberg im Einsatz war, Die Klinge ist mit „E. & F. HÖRSTER SOLINGEN“ gemarkt, in bestem Zustand und höllisch scharf – es kann sich also nicht um ein Rangabzeichen handeln.


Bei dem Säbel handelt es sich nicht um einen "Preußen" sondern um einen württembergischen Artilleriesäbel.

Gruß

Schwertfeger
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)

3

Freitag, 9. November 2007, 19:25

Uropas Verwendung

Zitat

Original von Horst
seit geraumer Zeit versuche ich vergeblich, die Truppenzugehörigkeit meines Urgroßvaters im Weltkrieg festzustellen.

... zwei Photographien als Kavallerie-Gefreiter in Feld-Uniform mit Pistole 08, Kavallerie-Säbel und „Krätzchen“ datiert 1914 Ludwigsburg...

Nach Familien-Überlieferung, die ja nicht stimmen muß, ist er als Sergeant ausgeschieden und war im Krieg in Serbien.

Die auf Grund der Ehrennadel in Frage kommenden Regimenter Dragoner-Regiment „König Wilhelm“ (2. württembergisches Nr. 26) und Infanterie-Regiment „König“ (6. württembergisches Nr. 124), beide in Stuttgart, waren meines Wissens nicht im Serbien-Feldzug.


Ich versuche den anderen Wunsch mal einzufangen.

Das Einstellen der Fotos und eine Ablichtung der Ehrennadel - hier - würde möglicherweise hilfreich sein.

Kann es sein, daß die Familien-Überlieferung statt Serbien evtl. Rumänien meint? Für das DR 26 käme nämlich ein solcher Einsatz in Frage. Für das IR 124 allerdings nicht.

Gruß

Schwertfeger
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)

4

Freitag, 9. November 2007, 23:01

Aufnahme eines Artilleristen um 1888 aus dem 3. königlich württembergischen Feldartillerie-Regiment Nr. 49.

Gruß

ulfberth

5

Samstag, 10. November 2007, 07:39

RE: Uropas Verwendung

Hier ein – leider schlechtes – Bild der Ehrennadel. Ein Bild von Uropa folgt, sobald ich Zugriff auf einen Scanner habe. Rumänien kommt leider nicht in Frage. Da wären ja auch die Olga-Dragoner im Einsatz gewesen. Im hiesigen Staatsarchiv konnte ich aber weder bei den 25ern noch bei den 26ern Hinweise finden. Ich vermute eher, daß es sich um eine Landwehr- oder Landsturm-Formation handeln muß, schließlich war Uropa zu Kriegsbeginn schon 42.

Gruß Horst

6

Montag, 12. November 2007, 06:46

RE: Uropas Verwendung

So, hier noch das Foto von Uropa. Die Aufnahme wurde 1914 in Ludwigsburg gemacht.

Gruß Horst

7

Montag, 12. November 2007, 14:34

Irgendwie sehen die sich alle ähnlich ...


Gruß

ulfberth



P.S. Gibt es einen Möglichkeit, ein eingescanntes Bilder der Nadel einzustellen?

8

Montag, 12. November 2007, 17:29

RE: Uropas Verwendung

Zitat

Original von Horst
So, hier noch das Foto von Uropa. Die Aufnahme wurde 1914 in Ludwigsburg gemacht.


Dann wollen wir uns mal dem Problem nähern.

1914 - Ludwigsburg
waren stationiert (Friedenstruppenteile ohne Standorteinrichtungen): IR 121, DR 25, UR 20 FeAR 29, FeAR 65, TrB 13.

Opa führt einen Artilleriesäbel. Dafür kämen in Frage: FeAR 29, FeAR 65, TB 13. Darüber hinaus auch noch Mobilmachungseinheiten, die man aber besonders ermitteln müßte.

Auf seiner Feldmütze ist oben die Kokarde des Deutschen Reichs und unten nicht die württembergische, denn die wäre schwarz-rot-schwarz, die ich "normalerweise" erwartet hätte. Die untere dagegen (soweit erkennbar) ist außen hell und innen leicht dunkel. Offensichtlich aber nicht so dunkel, wie das rot (innen) der oberen Kokarde. Hilft also nicht weiter. Hat jemand eine Idee?

Auf der Achselklappe ist ein dunkles Abzeichen. Auf Grund des ungünstigen Blickwinkels ist es nicht eindeutig - zumindest von mir - zu identifizieren. Ein Feldartillerist sollte eine einflammige platzende Granate und eine Zahl (=Regimentsnummer) darunter haben. Das scheint mir aber hier nicht der Fall zu sein. Es sieht mir eher nach einem Buchstaben, evtl. ein F oder ein T, mit darunter einer einstelligen Zahl aus.

Auf der Seite des Kragens befindet sich ein Knopf, ein Gefreiten-Knopf.

Was ist nun sicher: Uropa war Anfang des Krieges rund 42 Jahre, er befand sich im Dienstgrad Gefreiter und führte einen Artilleriesäbel. Dieser Säbel ist nicht mit einem Faustriemen für den Train sondern mit einem für Artillerie versehen.
Was ist offen: Die Bedeutung des Abzeichens auf der Achselklappe. Die Frage ob Ludwigsburg nun der Mobilmachungsort einer (bestimmten) Einheit ist oder nur (zufälligerweise) der Ort des Fotografen.

Es soll noch ein Bild geben, was beschert uns das?

Zitat

Original von ulfberth
Irgendwie sehen die sich alle ähnlich ...


Ja, besonders der rechts Stehende.

Gruß

Schwertfeger
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)

9

Freitag, 16. November 2007, 13:46

Grüß Gott zusammen,

besten Dank für die Unterstützung. Ich glaube, ich bin dem Ziel etwas näher gekommen. Insbesondere der Hinweis auf den Artillerie-Faustriemen war hilfreich.

Das andere Foto kann ich nicht einstellen, es ist fest gerahmt. Ich habe mir die Sache aber nochmals mit der Lupe angesehen. Der Faustriemen auf dem anderer Foto ist eindeutig ein anderer. Stengel, Kranz und Quaste sind hell, also gelb oder weiß. Das Band ist dunkler, könnte rot sein. Die Quaste sieht außerdem „flauschiger“ aus. Der Säbel auf dem anderen Bild ist wohl auch nicht der, den ich habe. Es fehlt, soweit man das bei den alten Bildern sehen kann, der rechteckige Bügel auf der Scheide (siehe Bild). Das hier eingestellte Bild muß wohl trotz der rückseitigen Beschriftung älter sein.

Außerdem habe ich nochmals in meinen Unterlagen gestöbert. In Uropas Todesanzeige von 1945 steht der Satz „Im letzten Krieg war er während der gesamten Kriegsdauer im ARBEITSeinsatz“. Das und sein Alter sprechen sehr für den Landsturm.

Ich konnte inzwischen ermitteln, daß es insgesamt fünf Württembergische Landsturm-Eskadrons gab. Davon scheidet die erste (Cannstatt) aus, da unberitten und ausschließlich im Etappendienst im Westen. Die zweite bis fünfte (Ludwigsburg!) waren mit der 5. Armee im Herbst / Winter 1915 in Serbien (!). Auf Grund der Farbe des Faustriemens tippe ich auf die dritte Landsturm-Eskadron Ludwigsburg. Die vierte und fünfte Eskadron wurden bereits 1915, die zweite 1916 aufgelöst. Ich werde mich also nochmals ins Staatsarchiv begeben müssen.

Gruß
Horst

gardehusar

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10

Freitag, 16. November 2007, 13:52

Zitat

Original von Horst


Außerdem habe ich nochmals in meinen Unterlagen gestöbert. In Uropas Todesanzeige von 1945 steht der Satz „Im letzten Krieg war er während der gesamten Kriegsdauer im ARBEITSeinsatz“. Das und sein Alter sprechen sehr für den Landsturm.

Horst


Ich denke hier ist der WW2 gemeint und dan RAD Reichsarbeiter Dienst oder ganz normal im seinem Beruf gearbeitet ....
Aber einfach gut, wenn sich jemand solche Mühe mit der Familienhistorie macht RESPEKT.
SUUM CUIQUE das Motto der Leib Garde Husaren (jedem das Seine)

Rasch mit dem Pferde, hart mit dem Schwerte,
im Sattel feste, beim Becher der Beste, den Frauen hold, treu wie Gold, Mut in Gefahr, das ist ein Husar

Für Fragen über mein Spezialgebiet stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung!

11

Freitag, 16. November 2007, 15:45

Uropa ist im März 1945 gestorben. Der letzte Krieg war also 1914 bis 1918.

Gruß Horst

12

Dienstag, 30. September 2008, 20:23

Grüß Gott miteinander,

jetzt hat es doch fast ein ganzes Jahr gedauert.... Dank der Forums-Mithilfe konnte ich inzwischen aber doch das Wesentlichste in Erfahrung bringen:

Uropa war von 1891 bis 1893 beim Dragoner-Regiment König (2. Württembergisches) Nr. 26. Die Regiments-Erinnerungsnadel kommt vom Chiffre auch daher. Er wurde im August 1914 zur 1. Landsturm-Eskadron nach Ludwigsburg einberufen und war wohl dort bis Ende 1916 im Garnisonsdienst. Im Januar 1917 erfolgte die Versetzung zum Landsturm-Infanterie-Bataillon (Schwäbisch) Gmünd (XIII/19.), mit dem er im Februar 1917 nach Serbien ausgerückt ist. Beförderung zum Unteroffizier des Landsturms im April 1917 und zum Sergeanten im Oktober 1917. Uropa wurde im Juni 1917 vermißt und nach überstandener Ruhr Ende Juli 1917 wieder bei der Truppe zurückgemeldet. Er war von einer serbischen Bäuerin gesund gepflegt worden, nachdem er beinahe in der Save ersoffen war – sein Pferd hat es nicht überlebt. Dafür hat er das EK II erhalten. Den Rest habe ich ja schon angefragt gehabt.

Ich darf mich nochmals ganz herzlich für Eure Mithilfe bedanken. Besonders der Hinweis auf den Säbelriemen hat den Ausschlag für den Erfolg gegeben. Die 1. Landsturm-Eskadron Ludwigsburg wurde bei Mobilmachung übrigens aus Beständen des Dragoner-Regiments Nr. 25 und des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 65 ausgestattet. Also auch das paßt!

Vielen Dank nochmals!

13

Montag, 6. Oktober 2008, 17:46

Es freut mich, wenn die kleinen Hinweise helfen konnten. Was das nunmehr bei den weiteren Recherchen rausgekommen ist, ist beachtlich! Gratuliere!

Gruß

Schwertfeger
"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)